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Meeting Kultur ist Führungs­verhalten in Reinform

Wenn Abstimmung mehr blockiert als bewegt.

Seit der Pandemie haben wir uns an einen ziemlich absurden Zustand gewöhnt. Mehr Meetings. Wenn in einem Unternehmen ständig abgestimmt, eingeladen, nachjustiert und nochmal gesprochen werden muss, läuft meistens vorher schon etwas schief.

Seit der Pandemie ist genau das vielerorts eskaliert. Die Zahl der Termine ist hochgegangen, die Qualität oft runter. Alle tun überrascht, dass die Leute genervt sind und trotzdem das Gefühl haben, nichts wirklich vom Tisch zu bekommen. Wir nennen das Zusammenarbeit, obwohl es häufig einfach schlecht getarnte Unkonzentriertheit ist. Da sitzen sechs, acht oder zwölf Menschen im Call, ein Teil mit schwarzem Bildschirm weil die Kamera ausgeschaltet ist, manche halb dabei, manche gar nicht, und am Ende fehlt Klarheit, wofür der Termin angeblich da war. Wer zuständig ist, was entschieden wurde, was als Nächstes passiert. Stattdessen gibt es dann das berühmte Folgemeeting. Also einen zweiten Termin, weil der erste schon nichts sauber gelöst hat.

Wer in hybriden Teams gute Arbeit will, muss Meetings strenger führen. Kamera aus ist für mich ein Zeichen dafür, dass der Termin gerade nur nebenher läuft. Dann braucht man über Fokus auch nicht mehr groß reden. Genauso dieses reflexhafte Einladen von allem, was einen Kalender hat. Viele Meetings sind schon deshalb schlecht, weil zu viele Leute drin sitzen, die dort gar nichts verloren haben. Das macht Gespräche meist träger.

Für mich ist ein Meeting nur dann sinnvoll, wenn vorher feststeht, was am Ende geklärt sein soll. Kein nettes Update ohne Konsequenz. Ein echter Termin braucht ein Ziel. Sonst ist es nur eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme.

Meetingkultur ist Führungsverhalten in Reinform. Führungskräfte zeigen dort sehr schnell, wie ernst sie Fokus, Verbindlichkeit und Respekt für Arbeitszeit wirklich meinen. Wer selbst ohne Ziel einlädt, Diskussionen ausufern lässt und jeden vorsichtshalber dazunimmt, darf sich über Meeting-Müll nicht beschweren.

Ich bin überzeugt, dass viele Unternehmen kein Zeitproblem haben, sondern ein Disziplinproblem im Kalender. Weniger Termine würden oft schon helfen. Vor allem aber bessere. Sonst bleibt der Arbeitstag voll und der Fortschritt dünn.

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